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Mein erstes grosses Fotoprojekt hat im April 2013 begonnen. Ich werde in den kommenden Jahren Schulen auf der ganzen Welt besuchen und von den unterschiedlichen Schulsystemen berichten. Das Schwergewicht liegt dabei auf den ersten Schuljahren.



In Namibia fand nun die erste Feuerprobe statt, ich durfte zwei Schulen in unterschiedlichen Landesregionen besuchen. Die Schulen sind vom Staat unabhängig, kämpfen jeden Monat um Ihr Überleben und sind hauptsächlich von Spendengeldern abhängig.



37% der Bevölkerung ist arbeitslos und lebt Tag für Tag am Existenzminimum. Selbst wenn ein Elternteil erwerbstätig ist, ist es oftmals schwierig die Schule für die Kinder zu finanzieren. Weite Distanzen zwischen den Dörfern zwingen die Eltern ihre Kinder in entfernte Städte zu schicken. Der schlechte öffentliche Verkehr macht das Reisen schwierig. Die hohen Gebühren für Internatsschulen können sich viele nicht leisten. Bei einigen Familien in Namibia ist zudem Aids und der überdurchschnittliche Alkoholkonsum ein massives Problem. Viel Geld fliesst in den Alkoholkauf, so dass zu wenig für Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel bleibt. Der HIV Virus ist schuld, dass viele Kinder zu Halb- oder Vollwaisen werden. Das Durchschnittsalter in Namibia liegt bei nur 56 Jahren.



Ich traf im Stadtteil Katutara auf Frau Frederiks, die sich der Zukunft von unzähligen Kindern angenommen hat. Ich stand auf dem Grundstück ihres Wohnhaus, dass sich in einem ärmeren Gebiet von Windhoek befindet. Im hinteren Teil des Grundstücks sind zwei Schulzimmer angebaut, welche einfach eingerichtet sind. Ein Fenster, ein Lehrerpult und ein Regal befinden sich darin. Keine künstliche Lichtquellen, keine Tische für die Schüler und keine Heizung für die kalten Tage.
Es ist beeindruckend wie sich Frau Frederiks für den Erhalt ihrer Schule einsetzt. Jeden Tag verzichtet sie auf ein Leben ohne Sorgen und schaut, dass genügend Geld zusammen kommt, um die Schule zu finanzieren. NAD 5'000,00 rund USD 500,00 sind pro Monat nötig. 80% davon wird durch Spenden vom örtlichen Reiseunternehmen Sense of Africa finanziert. Der Rest stammt aus Kollekten von der nahe liegenden Kirche und den Eltern, welche das Schulgeld bezahlen können.



20 Waisenkinder hat Frau Frederiks in Ihrer Obhut. Viele Kinder haben Ihre Eltern durch Aids verloren oder wurden von Ihnen im Stich gelassen. Ich habe Jonell kennen gelernt, ein vier Jahre altes Mädchen, dass schon seit ihrer Geburt in der Schule lebt.



Das Bishop Kameeta Pre-Primary & Day Care Center, wie es offiziell heisst, vermittelt den Kindern das allernötigste für den Alltag. Die Schüler beschäftigen sich mit Zahlen, Buchstaben, Formen, Wochentagen und Farben. Sie lernen aber vor allem den Umgang mit anderen. Ebenso bekommen sie Hoffnung für ihre Zukunft. Auch wenn in der Schule von Frau Frederiks nur das nötigste vermittelt werden kann, es ist besser als ohne Perspektive auf der Strasse zu leben.
Der Schulunterricht erfolgt durch drei freiwillige Helferinnen, welche ohne Lohn arbeiten und sich um das Wohl der Kinder kümmern. Die "Lehrerinnen" haben keinen Abschluss, versuchen aber ihr Bestes um den halbtägigen Schulunterricht durchzuführen.



http://www.doesitmatter.ch

Jesaya

Jesaya, sechs Jahre, lebt bei seinen Eltern. Vater und Mutter haben keine Arbeit und Alkoholprobleme.

Ester

Ester, vier Jahre, wohnt in der Schule. Ihre Mutter kann nicht für sie sorgen, da sie Alkoholprobleme hat. Mittlerweile erwartet sie ihr 6. Kind.

Schulzimmer

Im hinteren Teil des Wohnhauses befinden sich zwei Klassenzimmer. Sie sind spartanisch eingerichtet, wenig Licht dringt durch ein kleines Fenster in die Räume. Das Lehrerpult ist der einzige Arbeitstisch. Die Kinder arbeiten am Boden.

Bibel

Der christliche Glauben ist in Namibia weit verbreitet. So liegt auf dem Nachttisch von Frau Frederiks eine Bibel und spendet etwas Hoffnung.

Schlafzimmer

Im Haus von Frau Frederiks befinden sich zwei Schlafzimmer. Eines für die Knaben, das andere für die Mädchen. Auf weniger als 10 Quadratmeter teilen sich bis zu neun Kinder das Zimmer. Das Bett wird geteilt und am Boden Matratzen ausgelegt.

Jonell

Jonell, vier Jahre, hat ihre Eltern nie kennen gelernt. Seit ihrer Geburt lebt sie bei Frau Frederiks. Die Schule findet sie okay, am liebsten mag sie aber die Pausen.

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